Christof Von Burg stiehlt dem Leader mit einem Wahnsinns-Save die Show

Von Roman Badertscher
SC Bern
1
0 - 0 - 1
ZSC Lions
4
0 - 2 - 2
27.10.2026
National League
Zuschauer: 13855
0:0‧0:2‧1:2
Spielbericht

Leader ZSC gastierte heute Abend beim Drittplatzierten SCB. Beide Teams trennten vor dem Spiel 14 Punkte, weshalb man nur tabellarisch von einem Spitzenkampf reden konnte. Die ZSC Lions waren phasenweise überlegen und gewannen dank der spielerischen Klasse verdient, doch die Szene des Abends gehörte SCB-Goalie Christof Von Burg.

Ausgeglichenes Startdrittel

Es dauerte etwas, bis die ersten Torschüsse in der durchaus schnellen Startphase folgten. Die Strafe gegen Simon Knak, der mit einem Stockschlag Nic Balestra in der sechsten Minute zu Fall brachte, wurde zum ersten Test für Simon Hrubec im ZSC-Tor.

Der SCB brauchte etwas Zeit, um ihr Powerplay zu installieren. Zuerst kam Emil Bemström zu einer ersten guten Möglichkeit, ehe sich kurz darauf die Chancen aneinanderreihten. Noch vor Ablauf der Strafe kam Joel Grossniklaus im Slot zum Abschluss, der knapp am Tor vorbei ging. Rodrigo Abols übernahm die Scheibe und schloss ebenfalls ab. Hrubec entschärfte die Situation, wobei der Puck knapp am Tor vorbei kullerte.

In der zehnten Minute lancierte Nic Balestra einen schnellen Angriff, der beinahe durch Emil Bemström in einen Buebetrick verwandelt wurde. Auf der Gegenseite hatte Christof Von Burg kurzerhand alle Hände voll zu tun und parierte stark gegen Thierry Bader und später gegen Sven Andrighetto.

Für die Mutzen kam vor der Pause noch Ian Mitchell zu einer guten Gelegenheit, doch sein Schuss zischte trotz verdeckter Sicht bei ZSC-Schlussmann Hrubec am Pfosten vorbei. Es war ein ausgeglichenes Startdrittel mit Chancen auf beiden Seiten.

ZSC Lions nutzen Abpraller und doppelte Überzahl

Zu Beginn des Mittelabschnitts war der SCB nahe an der Führung. Es waren aber dann die Gäste, die mit ihrem ersten Abschluss Von Burg ein erstes Mal bezwingen konnten. Einer der wenigen Abpraller verwertete Patrick Geering zum 0:1.

Als mit Anton Lindholm ein erster Berner auf die Strafbank musste, erspielten sich die ZSC Lions das Momentum auf ihre Seite. Aufgrund einer Spielverzögerung von Alain Graf wurden sie sogar mit einer 5 gegen 3-Situation belohnt. Neun Sekunden dauerte die doppelte Überzahl, ehe Mikko Lehtonen auf 0:2 erhöhte. Von da an kippte das Momentum definitiv auf die Seite des Leaders. Die Zürcher waren spielerisch eine Klasse besser.

Immerhin sorgte Rodwin Dionicio bei numerischem Gleichstand für etwas Entlastung. Seine Mitspieler tauten offensiv auch etwas auf, scheiterten aber immer wieder am stark agierenden Hrubec. Sein Gegenüber Von Burg verhinderte 24,6 Sekunden vor der zweiten Pause mit einem Big Save das 0:3.

Diese grossartige Parade bescherte ihm stehende Ovationen in der gesamten Arena! Bern lag zwar 0:2 zurück, doch der Held der Partie war schon nach 40 Minuten klar, unabhängig davon, was offensiv noch geschehen wird.

Emil Bemström brachte den SCB heran – Justin Sigrist antwortete kaltblütig

Die Berner waren im Schlussdrittel bemüht, Hrubec offensiv zu beschäftigen und drückten auf den Anschlusstreffer. Eine Strafe gegen Jesper Frödén sorgte für Torgefahr durch Miro Aaltonen, Rodrigo Abols und Waltteri Merelä.

Obwohl der SCB die Strafe nicht nutzen konnte, waren die ZSC Lions für einmal etwas unaufmerksam, als Emil Bemström am weiten Pfosten den Puck über die Torlinie stocherte. Zu diesem Zeitpunkt war eine Strafe gegen die Lions angezeigt, wurde aber nicht ausgesprochen.

Das Momentum schien zu kippen, doch die Berner waren defensiv etwas zu nachlässig. So kam Justin Sigrist zu einem schnellen Konter und präzisen Handgelenkschuss, welcher zum dritten Treffer führte.

Das Team von Serge Aubin war sichtlich bemüht, daraufhin eine Antwort zu finden. X-Chancen liess der SCB in der 55. Minute liegen oder wurden von Hrubec vereitelt. Die Berner versuchten es nach dem Time-out mit einem sechsten Feldspieler, doch das ging bereits nach zehn Sekunden ins Auge.

Dank Simon Hrubec haben die ZSC Lions zwar das Spiel gewonnen, die Berner mit Christof Von Burg aber einen gefeierten Goalie-Helden, der das 0:3 mirakulös verhinderte.

Christof Von Burg wurde nach dem Spiel zu seiner Parade befragt: «Es war schon mega cool. Nach einem Save versuche ich immer den Fokus zu behalten und mich nicht gross zu freuen. Ich habe mich aber getraut, kurz hochzuschauen und plötzlich standen alle und haben meinen Namen gerufen. Es war ein cooler Moment, aber leider war dieser nur halb so schön, wenn man nachher verliert. Es war aber sicher wichtig, kurz vor der Drittelpause diesen Puck noch zu halten.» Zum Spiel sagte Von Burg: «Ich bekam weniger Schüsse als erwartet. Die Mannschaft hat es im Grossen und Ganzen gut gemacht, hinten wenig zugelassen, viele Chancen kreiert, aber leider waren wir wieder mal nicht kaltblütig genug.»

SC Bern – ZSC Lions 1:4 (0:0, 0:2, 1:2)

PostFinance Arena, Bern. – 13’855 Zuschauer – Schiedsrichter: Ruprecht/Sjöqvist, Huguet/Gurtner.

Tore: 22:14 Geering (Lammikko) 0:1, 28:30 Lehtonen (Balcers, Lammikko) 0:2 PP2, 47:32 Bemström (Scherwey) 1:2, 49:20 Sigrist (Baechler) 1:3, 56:16 Weber (Frödén, Balcers) 1:4 EN.

Strafen: 2 x 2 Minuten gegen den SC Bern, 2 x 2 Minuten gegen die ZSC Lions.

SC Bern: Von Burg (Ersatz: Hughes); Dionicio, Mitchell (PF-TS); Barandun, Rhyn; Lindholm, Balestra; Kreis, Kindschi; Grossniklaus, Aaltonen, Bemström; Mottard, Abols, Merelä (C); Alge, Baumgartner (A), Müller; Scherwey, Graf (A), Ritzmann.

ZSC Lions: Hrubec (Ersatz: Zumbühl); Berni, Weber; Marti, Kukan; Geering (C), Lehtonen (A); Schwendeler; Andrighetto (A), Malgin (PF-TS), Knak; Balcers, Grant, Frödén; Gruber, Lammikko, Bader; Baechler, Sigrist, Riedi; Baltisberger.

Bemerkungen: SC Bern ohne Marchon (gesperrt), Füllemann, Zurkirchen, Milano (überzählig), Lehmann, Rohrbach (verletzt). ZSC Lions ohne Meier, Niedermann (Swiss League), Strömwall (überzählig). – 56:06 Time-out SC Bern. – SC Bern von 56:06 bis 56:16 ohne Goalie.

Resultat:

1:4

E. Bemström
J. Sigrist, P. Geering, M. Lehtonen, Y. Weber