Bieler Penalty-Waterloo lässt HC Ambrì-Piotta zum Zweier jubeln

Von Robert Szendröi
HC Ambrì-Piotta
4
1 - 1 - 1
EHC Biel
3
1 - 0 - 2
27.10.2026
National League
Zuschauer: 5707
1:1‧1:0‧1:2
Spielbericht

Insgesamt hatten die «Biancoblù» etwas mehr vom Spiel und führten nach 40 Minuten verdientermassen mit 2:1-Toren. Ein Seeländer Doppelschlag binnen 53 Sekunden liess die Gäste gar vom Punktemaximum träumen. Es war indes Lias Andersson, der sich eine 2-Minutenstrafe einhandelte, worauf die Leventiner prompt zum 3:3 nach 60 Minuten ausglichen. Letztlich bewiesen die Platzherren im Penaltykrimi Ruhe und sicherten sich dank der unwiderstehlichen Treffsicherheit von Roby Järventie und Nathan Schnarr den Zusatzpunkt mit dem 4:3-Erfolg.

Interessanter könnte die Ausgangslage für die Partie in der «Gottardo Arena» zwischen dem HC Ambrì-Piotta und dem EHC Biel kaum sein. Aus den letzten vier Meisterschaftsschlachten gewannen die «Biancoblù» und die Bieler «Beile» nämlich beide deren drei. So zwangen die Leventiner den Genf-Servette HC, den Schweizer Meister HC Fribourg-Gottéron sowie den überraschenden HC Ajoie in die Knie. Nur gerade gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers zog man am Obersee den Kürzeren. Die Seeländer hingegen holten im Hin- und Rückspiel gegen die Lakers zwei Dreier und bezwangen zuletzt den EV Zug in der Tissot Arena gleich mit 5:0. Nur in Fribourg mussten die Jungs von Trainer Christian Dubé sämtliche Federn lassen.

Nun, dass HCAP-Bandengeneral Jussi Tapola an seiner Nordtessiner Wirkungsstätte auf totale Körperfitness setzt, bekam Ambrìs Publikumsliebling Inti Pestoni am eigenen Leib zu spüren. Inzwischen ist der routinierte Schillerfalter topfit und beunruhigt die gegnerischen Abwehrreihen mit millimetergenauen Pässen oder sorgt gleich selbst für einen brandgefährlichen Abschluss.

Auf Bieler Seite zeigte sich indes, dass man die Fehlerquote zurückschrauben konnte und das Powerplay allmählich in die Gänge kommt.

Somit präsentierte sich den Hockeyfans am Gotthard-Südportal ein brisanter Kontext für das dienstägliche Eisspektakel.

Erstes Drittel

Grundsätzlich hatte man allgemein erwartet, dass die «Biancoblù» gleich von Anfang an das Zepter in die Hockeyhände nehmen. Dies war indes nicht der Fall, denn die Gäste erzeugten in der Startphase etwas mehr Offensivdrang. Allerdings war in Sachen Torausbeute nichts auszumachen. Dies machten die Leventiner in der 13. Minute besser. So war es Petr Kodytek (13.), der das erste Überzahlspiel der Platzherren gleich in die 1:0-Führung seiner Farben ummünzte. Dabei leisteten Inti Pestoni sowie vor allem Tim Muggli die Vorarbeit, damit Kodytek – von Biels Abwehrmann Miro Zryd zu wenig bewacht – die 1:0-Führung für den HCAP realisierte. Davor schnitzerte der junge Bieler Jamie Villard gleich zweimal hintereinander, indem er zuerst den Puck nicht aus dem eigenen Drittel spedierte und anschliessend per Beinstellen einen Leventiner von den Schlittschuhen holte und sich damit eine kleine, aber teure Strafe einhandelte. Ganz bestimmt ein Lehrpflaster für den wieselflinken Flügelstürmer der vierten Sturmlinie. Danach konnten die Nordtessiner sogar während 50 Sekunden mit 5-gegen-3 agieren, doch diesmal hielt das Bieler Abwehrbollwerk dicht. Letztlich sicherten sich die Seeländer wohl ihre Prämie ab, als Jeff Skinner (19.) mit einem Steilpass von Marcus Sylvegaard zum raschen Konter ansetzte. Dabei liess sich die ehemalige NHL-Ikone nicht zweimal bitten und bewerkstelligte den 1:1-Pausenstand nach dem ersten Akt mit einem kecken Handgelenksgeschoss an Ambrì-Hüter Gilles Senn vorbei.

Zweites Drittel

Kurz und bündig erklärt, stand das Mitteldrittel mehrheitlich unter Leventiner Flagge. Allerdings holten sie sich den verdienten 2:1-Vorsprung bereits vor der eigentlichen Überlegenheit. Erneut zahlte Biels Youngster Villard bitteres Lehrgeld, als er die Scheibe an der eigenen blauen Linie am aufsässigen Manix Landry (23.) verlor. Dieser stürmte auf Biel-Goalie Harri Säteri zu und überlistete den Finnen mit einem präzisen Handgelenkschuss in die kurze Ecke. Die Bieler agierten in dieser Phase und bis zum zweiten Pausentee insgesamt zu passiv und mussten die Einheimischen dadurch zu sehr gewähren lassen.

Drittes Drittel

Kein Zweifel, dass die Bieler gewillt waren, das gesamte Punktepaket ins Seeland mitzunehmen. Dafür konnten sie dank eines Doppelschlags binnen 53 Sekunden durch Ex-Ambrì-Publikumsliebling Dominic Zwerger (44.) sowie Yanick Sablatnig (45.) sogar träumen. Danach hielten die Gäste das Geschehen artig unter Kontrolle, bis Lias Andersson in der 51. Minute eine Strafe wegen Haltens einkassierte. Diese nutzten die Leventiner kurz vor Ablauf mit Roby Järventies (53.) Ablenker am weiten Pfosten zum viel umjubelten 3:3-Remis. So blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit.

Overtime

In der Verlängerung führten die Bieler die schärfere Klinge, doch der Treffer ins Zweierglück wollte weder den Dubé-Jungs noch den Tapola-Schützlingen gelingen, und so war das Penaltyschiessen die logische Konsequenz.

Penaltyschiessen

Während kein einziger Gästestürmer an HCAP-Schlussmann Gilles Senn vorbeikam, liessen die beiden Ambrì-Piotta-Stürmer Järventie und Nathan Schnarr Biel-Torhüter Harri Säteri nicht den Hauch einer Abwehrchance. Dadurch konnten sich die Leventiner weitere zwei Zähler in der Rangliste gutschreiben lassen und grüssen aktuell vom vorzüglichen zweiten Tabellenrang aus. Dies hinter dem unangefochtenen Leader ZSC Lions Zürich.

Kurzer Ausblick

Der HC Ambrì-Piotta kann sich nun recht entspannt auf den unverhofften Spitzenkampf bei den ZSC Lions am kommenden Donnerstag vorbereiten. Hingegen zählt für den EHC Biel am nächsten Freitag in der heimischen Tissot Arena nur ein Vollerfolg gegen den erstarkten EHC Kloten.

Resultat:

4:3 nP

P. Kodytek, R. Järventie, M. Landry
Y. Sablatnig, J. Skinner, D. Zwerger